Vor vierzig Jahren, zwischen dem 13. und 17. Januar 1985, hüllte der grosse Schneefall das Tessin und weite Teile Norditaliens in nie gesehene Schneemassen. Locarno verschwand unter einer kristallinen Decke von 1,20 Metern (Grono1: 1,50 Meter).
Es war reine Magie. Automobile, gleich Schnecken, versuchten Meter um Meter zu gewinnen. BMWs und Mercedes tanzten wie Spielzeuge in Kinderhänden dank ihres Hinterradantriebs auf dem, was sie für Strassen hielten, glitten in Zeitlupe und in völliger Stille aus den Kurven und kamen in Positionen zum Stehen, die ihre ganze angeborene Torheit offenbarten.
Unaufhörlich schwebten Flocken, gross wie Wachteleier, in unfassbarer Langsamkeit und liessen die Zeit stillstehen. Behutsam legten sie sich auf alles, wie ein Schamane seine Hand auf den Bauch des Kranken legt, besänftigten jeden Schmerz, jedes Weinen, jeden Gedanken. Jeden Laut.
Jede Handlung, jede Bewegung, jede Absicht löste sich auf in einem Universum, das anderen physikalischen Gesetzen gehorchte als den bisher gekannten. Erst seit wenigen Monaten war ich im Tessin und hatte eine mir unbekannte Welt gefunden, oder besser: eine Welt, die ich nur aus